Max Richter - Three Worlds: Music From Woolf Works




















Virginia Woolf (1882 - 1941) war eine britische Schriftstellerin und Verlegerin, die neben Gertrude Stein zu den bedeutendsten Autorinnen der klassischen Moderne zählt. Zu ihren Lebzeiten war sie fast nur unter Schriftstellern im englischsprachigen Raum bekannt und trat erst in den 1970er Jahren, insbesondere aufgrund ihrer Wahrnehmung durch die emanzipatorische Bewegung, ins Interesse der Öffentlichkeit. 2015 wurden - und so etwas schätzen wir bei Platten vor Gericht - vier ihrer Romane von 82 internationalen Literaturkritikern und -wissenschaftlern unter die Top 100 der bedeutendsten britischen Romane gewählt: To The Lighthouse (Platz 2), Mrs. Dalloway (Platz 3), The Waves (PLatz 16) und Orlando (Platz 65).

Max Richter ist ein in Hameln geborener britischer Komponist, der ein Album von Vashti Bunyans produzierte, mit Künstlern aus anderen musikalischen Genres, wie The Future Sounds Of London oder Roni Size, zusammen arbeitete, Soundtracks komponierte („Waltz With Beshir“) und mehrere Soloalben veröffentlichte (u.a. „Memoryhouse“ (2002) oder „Infra“ (2010)). Seine Kompositionen fanden den Weg in Serien („The Leftovers“) oder Filme („Shutter Islands“) und zuletzt sogar in die Charts („Recomposed by Max Richter – Vivaldi: The Four Seasons“ (2014) und "From Sleep“ (2015)). Immer wieder konnte er sich für übergreifende Projekte, die Autoren, bildende Künstler, Schauspieler und Musiker zusammen brachten, begeistern. 

„Three Worlds: Music From Woolf Works“ ist genau ein solches Projekt. „Woolf Works“ ist die erste große Produktion des Choreographen Wayne McGregor, die am Londoner Royal Ballet uraufgeführt wurde. Die Ballett-Produktion dreht sich rund um die drei oben erwähnten Romane Mrs. Dalloway, Orlando und The Waves. Die Musik, die sich auch auf dem Album an diese Dreiteilung hält,  stammt von Max Richter und ist mit seiner Verbindung aus Pianoklängen, Streicherarrangements und zarten elektronischen Untermalungen nicht unähnlich zu den Veröffentlichungen von Ólafur Arnalds oder Craig Armstrong, deren Musik ebenfalls im Spannungsfeld von Ambient-Pop und Neoklassik anzusiedeln ist. Zu Beginn des über einstündigen Trips hören wir eine höchst seltene Sprachaufnahme von Virginia Woolf aus dem Jahr 1937, am Ende rezitiert die Schauspielerin Gillian Anderson den Abschiedsbrief, den Woolf ihrem Ehemann vor dem eigenen Selbstmord schrieb. 



Zwar erreichen die Melodien von Three Worlds: Music from Woolf Works dabei niemals restlos die überwältigend-bewegende Macht von Richters stärksten Arbeiten, doch funktioniert sein Ballett-Untermalung als bewusstseinerweiternder Wegpunkt im Schaffen des Komponisten kaum weniger gewichtig, eröffnet ihm auf akribische Art neue Wege und Möglichkeiten und ist damit sogar effektiver als ähnlich mutige Grenzgänge ala From Sleep – als ein durchwegs essentielles Highlight in Richters Discografie.
(heavypop)


You could easily apply Woolf’s musings on words to music, as after centuries of music-making instruments, notes, chords, styles, genres and sounds are loaded with meaning and memory. But to his credit, Max Richter has crafted something that feels like a timeless nod to the past, and yet an inventive ode to Woolf’s modernism. He has followed up the exceptional Sleep with yet another dazzling work that is “full of echoes, of memories, of associations” that celebrate and reflect this towering writer.
(Drowned In Sound)



Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Ich muss mich wiederholen: "Zugegebenermaßen habe ich eine leichte Schwäche für Max Richters Musik"... 8,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Ohne diese Schwäche reicht es bei mir für 7 Punkte.

Dirk hat gesagt…

Schön zum Nebenbeihören. 7 Punkte

aXel hat gesagt…

7.5

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