Low Roar - Once In A Long, Long While…

















„Low Roar waren bis jetzt eine Herzensangelegenheit für Bescheidwisser“, sagt intro, und die müssen es ja wissen, schließlich nennen sie ihre monatliche Albenbewertungsrunde ja auch Platten vor Gericht. Wir sind also nun ausgewiesenermaßen Bescheidwisser und belegen dies mit den Plätzen 19 und 36 in unseren Jahresendauswertungen für „Low Roar“ (2011) und „0“ (2014). 
Dass das Projekt des kalifornischen Musikers Ryan Karazija, der zwischenzeitlich von Reykjavik nach Warschau umgesiedelt ist, zuletzt nicht verdient gewürdigt wurde, hat nicht an mir gelegen. Alle die keine Bewertung für „0“ abgegeben haben, haben etwas verpasst, Ingo hat vermutlich nicht richtig hingehört. 

Nun präsentiert Ryan Karazija 12 neue Songs und kombiniert erneut dezente, manchmal zeitlupenhafte elektronische Beats, sanfte Synthieflächen und melancholischen Gesang im Spannungsfeld zwischen Ambientpop und Folktronic. Dass seine Verbindungen nach Island noch nicht ganz gekappt sind, zeigt sich in „Bones“, einem Duett mit Jófríõur Ákadóttir, die man von Pascal Pinon oder Samaris kennt, oder dem extrem nach Sigur Ras klingenden „Miserably“. Akustische Gitarre und Bläser erweitern das Klangspektrum von „St. Eriksplan“, „Gosia“ ist auf rein akustischen Grundpfeilern errichtet, während der anschließende Titelsong ein zirpendes und quietschendes Elektro-Experiment ist.




In Low Roars elegischem Ambient-Postrock war immer schon Platz für eine Prise Pop, auf »Once In A Long, Long While…« gibt es nun spürbar weniger Haken und Ösen, durch die sich die flächig aufgeschichteten Soundscapes schlängeln. Die Single »Bones«, auf der Karazija zusammen mit Jófríður Ákadóttir von Pascal Pinon singt und flüstert, ist ein so dramatisch schönes wie zärtliches Duett. Doch insgesamt betört dieses Album weniger als dass es plätschert. Während die beiden Vorgänger noch als poppigere Versionen von Sigur Rós durchgingen, sind Low Roar sich nun nicht mehr sicher, ob sie schön spielen oder berühmt werden wollen. Dadurch steigt die Band aus der eigenen Liga leider in eine Wohlfühl-Mittelklasse ab.(intro)




Um mit diesen Emotionen umzugehen, setzt Karazija auf einen intelligenten Mix aus Elektropop, folkig-balladigen Elementen, Weirdpop und Neoklassik. Und ist doch im Herzen ein Popster, der Mädchenmusik macht! Dem tieftraurigen »Bones«, das er im Duett mit dem isländischen Shootingstar Jófríõur Ákadóttir« (Pascal Pinon, Samaris, JFRD) singt, kommt bei allem Selenschmerz doch leicht daher. Und die Sehnsucht, wie sie der Meister im synthieumschmeichelten »Give Me An Answer« besingt, trägt keinesfalls Trauerflor!
Samtpfötig schleicht sich das singer-songwriteraffine »Gosia« heran und erhebt das Tagträumen zur Kunstform. Nein, die Hoffnung auf Glück hat Low Roar auf dem dritten Album definitiv nicht aufgegeben! Mit ein wenig Hilfe von den weltweit verstreuten Freunden wie dem Tunng-Mastermind Mike Lindsay, der übrigens ebenfalls enge Beziehungen zur isländischen Musikszene pflegt. Ob Ryan Karazija Reykjavík aus Liebeskummer verlassen hat - oder weil die isländische Hauptstadt derzeit von Touristen überrannt wird: Wir wissen es nicht. Der Musiker ist in die neueste europäische Metropole des Cool gezogen: Nach Warschau!(Nordische Musik)




Low Roar in Deutschland:
25.05.2017 Köln - Artheater
26.05.2017 Frankfurt - Zoom
06.06.2017 Berlin - Bi Nuu

Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Kann an die beiden sehr starken Vorgänger nur phasenweise anknüpfen. 7 Punkte

Pages