Clap Your Hands Say Yeah - The Tourist



















Alec Ounsworth, die einzige Konstante bei Clap Your Hands Say Yeah, versucht den Mittelweg zwischen dem rumpelnden Indierock der Frühtage und den Synthi-Ausflügen des letzten Albums „Only Run“ (2014) zu finden. 

Natürlich entfaltet „The Tourist“ dabei nicht die hypnotische und mitreißende Wirkung des Debüts von 2005, verliert sich aber auch nicht in Experimenten. Dass David Fridmann (The Flaming Lips, Mercury Rev, MGMT) an den Reglern saß, ist in der Regel ein Qualitätssiegel - jedoch verbrach er bei Clap Your Hands Say Yeah auch den unfertig rohen Klang von „Some Loud Thunder“ (2007) und konnte zuletzt auch „Only Run“, das als einzige Platte von CYHSY nicht bei Platten vor Gericht berücksichtigt wurde, nicht retten. 

Aber auf „The Tourist“ gelingt vieles besser. Alec Ounsworths nasaler Gesang ist fast schon Alleinstellungsmerkmal genug, daneben gibt es einige schön schräge („Unfolding Above Celibate Moon (Los Angeles Nursery Rhyme)“), aber auch eingängige Lieder („Better Off“), reichlich Tempowechsel, Ausflüge in Folk („Loose Ends“) und Rock („Down (Is Where I Want To Be““), Keyboard-lastige Songs („The Vanity Of Trying“) und einen  Alt-J-Abklatsch („Fireproof“).

Metacritic schätzt die fünf Alben von Clap Your Hands Say Yeah wie folgt ein:

84/100   „Clap Your Hands Say Yeah“ (2005)
69/100   „Hysterical“ (2011)
67/100   „The Tourist“ (2017)
64/100   „Only Run“ (2014)
63/100   „Some Loud Thunder“ (2007)




Statt den Synthesizer stellt er nun vermehrt die akustische Gitarre in den Vordergrund des Geschehens, was definitiv eine gute Entscheidung war. Wunderbar entschlackt, griffig und leichtfüßig geht sich THE TOURIST an, und auch als Songwriter zeigt sich Ounsworth hier derart ausgeruht und bei sich, dass er sogar sein unvermeidliches Quäken und Zetern etwas herunterfährt. Kurzum: beste CYHSY-Platte seit SOME LOUD THUNDER. Mindestens.
(musikexpress)


Ganz ohne Gejammer funktioniert auch "The tourist" nicht. Die Mundharmonika, als Instrument der (in sich) Gefangenen und Tagediebe, klagt im Gleichklang mit der Leierkastenmentalität in "Unfolding above the celibate moon" an, dass die Chancen nicht gut stehen, jemand zu sein, der man nicht ist. Dass sich die tragische Figur tatsächlich in eine andere Haut wünscht, kann man sich aber nicht vorstellen. Der Puls der Platte mit ihren unzähligen Tempowechseln lebt von der Unstetigkeit und von den Gefühlsschwankungen. Die repetitiven "Nononono"s der manischen Single-Auskopplung "Fireproof", das Anschwellen und Absacken menschlicher Eitelkeiten in "The vanity of trying": Alles spricht dafür, dass sich der einstige Wunderknabe aus Pennsylvania dort am wohlsten fühlt, wo er nicht mit sich im Reinen ist. Eine Drehorgel könnte Alec Ounsworth jedenfalls nie bedienen. Dafür fehlt ihm glücklicherweise die Beständigkeit in seiner alten Leier.
(plattentests)


Clap Your Hands Say Yeah in Deutschland:
25.09.17 Berlin, Berghain Kantine


Kommentare:

Volker hat gesagt…

Braucht die 2017 noch jemand? Ich nicht

5,5

Olly Golightly hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Das Album habe ich dann doch weniger gehört als erwartet. Daher: 6,5 Punkte