Judith Holofernes - Ich bin das Chaos






















“Neulich auf Volkers Couch beim Anhören des neuen Judith Holofernes-Albums”

Ingo: Mensch, wir wieder hier auf Volkers Couch. Schön, dass Du wieder dabei bist, Christoph. Gut, dass auf die Couch vier Leute passen. Dirk, welches Album hast Du denn mitgebracht?
Dirk: Ich habe die neue Judith Holofernes-CD “Ich bin das Chaos” dabei und noch eine Überraschung.
Ingo: Der Titel hätte ja eigentlich ganz gut zu ihrem Solo-Debüt “Ein leichtes Schwert” gepasst. Das kam bei den Richtern nicht gut weg. Aber ich bin trotzdem freudig gespannt.
Christoph: Kommt Volker noch? Oder ist er die Überraschung, die Dirk angekündigt hat?
Dirk: Leider nein, Volker muss auf die Kinder aufpassen und kochen (hoffentlich auch für uns), da seine Frau an einer Listening Session für einen Mittelalter- und Gothic-Musik Blog teilnimmt.
Ingo: Dann legen wir los. Freut ihr euch?
Oliver / Christoph (im Chor): Ich bin nicht optimistisch.
Dirk: Ich bin Optimist, denn schlimmer als “Ein leichtes Schwert” kann es nicht werden! 3,5 Punkte bei uns im Durchschnitt!
Ingo: Nur 1 Punkt von Oliver. Dabei ist er doch ansonsten so großzügig, zumindest bei Klez.E.
Oliver: Das ist ja auch ein richtig gutes Album! 1 Punkt? Das hat nun wirklich niemand verdient. Ich gelobe Besserung!
Dirk: Und zum Konzert in Köln geht doch auch unser Betriebsausflug!
Christoph: Am Mittwoch? Dabei spielen doch da auch Secret Shine und Endlich Blüte im Tsunami (mir wurde diese Werbung zugesagt im Gegenzug dazu, diese Platte zu hören).
Dirk: Dann jetzt aber los!

1. Der letzte Optimist 

Christoph: Ist ihre Stimme verzerrt? Das mag ich schon mal nicht. Mein Optimismus wird ein wenig keiner.
Dirk: “Nichts hieran ist gut” stimmt natürlich überhaupt nicht. Der erste bekannte Song aus dem Album. Große, depressive Streicher- und Piano-Ballade.
Oliver: Wieso bekannt?
Dirk: Es gab ein Vorab-Video:


Oliver: Ist an mir vorbei gegangen.
Ingo: Das Klavier gefällt mir. Und ihre Stimme im Refrain auch. Schon besser als jeder Titel auf “Ein leichtes Schwert”.
Christoph: Diese Schwert-Platte habe ich nie gehört.
Dirk: Sei froh.
Oliver: Ich hab angeblich nur einen Punkt gegeben. Kannst also wirklich froh sein.
Ingo: “Du kotzt dein Herz in den Graben vor dem Haus"
Christoph: Der Hall bei "Eeeelend" ist Quark. 

2. Oder an die Freude

Dirk: Schockstarre! “Freude schöner Götterfunken, Tochter macht das Physikum”?
Oliver: Alter! Der gute Eindruck vom ersten Song direkt mal weggewischt.
Ingo: “Tochter mach’ dein Physikum”... Song für Medizinstudentinnen.
Christoph: Wie Oliver schon richtig schrieb: “Alter!”
Ingo: Ukulele?
Christoph: Ihr Beitrag für Giraffenaffen 5?
Oliver: Ihr kennt Sachen...
Dirk: Christoph, das wäre das drittbeste Lied auf “Ein leichtes Schwert” gewesen.
Ingo: Hier wäre es entbehrlich gewesen.
Oliver: Das sagst du jetzt noch.
Ingo: Der letzte Optimist halt.
Dirk: Die Bläser sind ganz gut, auf Beethoven hätte ich verzichten können.
Christoph: Jetzt mal seriös: diese Beethoven-Samples / Cover-Teile sind eine Unverschämtheit.

3. Charlotte Atlas

Dirk: Oh, Sixties-Garage-Rock für einen Tarantino-Film! Sehr abwechslungsreich bisher.
Christoph: Rock ‘n’ Roll! Bisher mit Abstand am besten. 
Ingo: Geht im Gesang etwas sehr hoch. Ansonsten unterhaltsam. “Aurelie” wurde ja auch ein Hit. Vielleicht ist Charlotte Aurelies Cousine.
Dirk: Bildungsmusik: Charlotte Atlas und “du trägst die Welt auf deinen Schultern”.
Christoph: Aber schon Bildungsmusik für Bildungseinsteiger?
Dirk: Ich unterrichte an der Förderschule! Aber nach Schiller und Beethoven jetzt noch griechische Mythologie.
Ingo: Schön krachig.
Oliver: Ist’s schon vorbei?
Christoph: Nein, noch acht Lieder, Oliver!

4. Analogpunk

Ingo: Zumindest der Songtitel ist toll.
Dirk: Wir sind Helden, oder? So erstes oder zweites Album...
Ingo: Gott sei dank. Vielleicht muss sie nicht mehr angestrengt schlechte Songs machen um sich freizuschwimmen vom “großen Tanker” Wir sind Helden.
Christoph: Ja, Dirk. Könnte eine Wir sind Helden B-Seite sein.
Dirk: Guter Text über Unterschiede zwischen ihr und ihm: „Ich schreib ein Blog, du ein Buch. Ich mag Chats, du Besuch. Ich kenn die Log-Ins, du Kenny Loggins. Ich Plug-Ins, du Bilbo Baggins“.
Oliver: Und es kam irgendwas mit ‘Jazz’ für Volker.
Ingo: "0110100100100000110110001"… mir gefällt der Song. Schmissig, guter Text. Was will man mehr?
Dirk: Mir auch. Single-Kandidat.
Christoph: Ja, Ihr habt recht. Nicht verkehrt. Dabei sollten die stärksten Lieder doch an den Anfang?
Oliver: Bleib mal optimistisch… Ach nee....
Ingo: Den Text muss ich mir noch einige Male anhören. Judith gibt schon vor Veröffentlichung des Albums Konzerte. Als besonderen Service bietet sie netterweise Mitsinghilfen, auch für diesen Song:


Die Konzertdaten zum Mitsingen:
  • 15.03. Frankfurt
  • 16.03. Leipzig
  • 18.03. München
  • 20.03. Köln
  • 21.03. Berlin
  • 22.03. Hamburg
  • 22.04. Stade, Festival
  • 23.04. Berlin
  • 24.04. Hannover
  • 25.04. Dresden
  • 27.04. Bremen
  • 28.04. Stuttgart
  • 29.04. Freiburg

5. Das Leiden der jungen Lisa

Dirk: Ingo, kommt jetzt wieder der Lisa Who-Gag?
Oliver: Ich fand den gut!
Ingo: Lisa Who? “Lisa, du leidest schön”. Gelitten habe ich bei “Ein leichtes Schwert”.
Christoph: Ich ertrage nicht, wie sie das erste “leiden” betont. Würde ich sofort skippen. Leider leide ich weiter.
Dirk: Ich habe ja schon ein wenig im Booklet geblättert und gesehen, dass Teitur die meisten Lieder mit komponiert hat und für die Arrangements für Streicher und Bläser gesorgt hat.
Ingo: Hätte ich nicht gehört. Aber hört sich schon komplexer an als 08/15.
Christoph: Die Arrangements sind definitiv viel besser als der Text.
Dirk: Okaye Ballade.
Ingo: Ja, gutes Mittelmaß.

6. Der Krieg ist vorbei

Dirk: Ingo, jetzt musst du stark sein...
Ingo: Das mit den Geranien gefällt mir. Mir gefällt es ja bekanntlich, wenn Frauen zu lahmer Musik jammern. Aber das gefällt mir bislang wirklich.
Christoph: Der Anfang gefällt mir auch sehr. Geht auch gut weiter. Wenn ich die Platte so ganz freiwillig hören würde, wäre ich aber nicht bis hier gekommen.
Ingo: Jetzt wo ich das mit Teitur weiß, höre ich mehr auf die Arrangements. Die Texte stören dann gar nicht mehr so sehr.
Dirk: … dann achte ab jetzt auch auf den Chorgesang!
Christoph: Ein Kinderchor, Dirk?
Dirk: Nein, Ingos besondere Freundin Balbina singt bei drei der noch ausstehenden Liedern mit.
Ingo: Ich bin dann mal weg. Wer kommt noch? Andreas Gabalier? Tim Bendzko?
Christoph: Ingo, Dein Teitur-Satz etwas weiter oben wäre die beste Text-Zeile auf dieser Platte.
Ingo: :-)
Oliver: Wird gegen Ende noch was lauter. Guter Song finde ich.
Dirk: Bessere Ballade als “Die Leiden der jungen Lisa”.
Ingo: Insgesamt wirklich nicht doof, der Song.
Christoph: Aber doofes Ende! Schade!

7. Ich bin das Chaos

Ingo: Dazu gab es schon ein Video:



Ingo: Für mich ein Hit.
Oliver: Ingo, wo bist du hin?
Ingo: Tanze gerade euch.
Oliver: Wann bringt Volker eigentlich das versprochene Essen?
Dirk: Der perfekte Popsong braucht Handclaps, sagt Noel Gallagher. Check.
Oliver: Das hat Volker doch immer gesagt.
Christoph: Der Flaggschiff-Song, oder? Wenn den eine andere Band sänge, wäre der fantastisch.
Dirk: Der Song ist gekommen, um zu bleiben.
Ingo: Ist auf meiner “Playlist 2017” (Vorauswahl).
Christoph: Mit transponierten Tonarten (sofern das so heißt) kriegt man mich immer!
Ingo: Also damit ist das Album mindestens zwei Klassen besser als der Vorgänger.

8. Das Ende

Oliver: Oh, schon am Ende. Schade.
Dirk: Klingt wieder nach den Helden, also den Weg-Skip-Kandidaten auf deren Alben.
Ingo: Balbina? Die Aussicht auf sie hat mich schreckhaft gemacht.
Dirk: Nein, aber beim Song deiner “Playlist 2017”!
Ingo: Vorauswahl!
Christoph: Grausamer Anfang! Fängt sich aber. Die zweite Stimme ist trotzdem gruselig. “Am Ende kriegt der Held auf die Mütze” ist autobiographisch?
Ingo: Warum muss die Stimme so hoch gehen?
Christoph: Das hat irgendein Marketing-Experte beim Label so festgelegt, Ingo.
Dirk: Teitur kann alles. Hier: elektrische Surfgitarre, Pocketpiano und Theremin.
Christoph: Und Kirchenorgel.

9. Oh Henry

Dirk: Schockstarre, die Zweite. Ein Loch ist im Eimer…?!
Christoph: Sind das Tischtennisball-Geräusche? Dirk, guck mal bitte nach!
Ingo: Schon der Titel macht Angst. Ist Balbina dabei?
Christoph: Ein Loch ist im Eimer, im Eimer ein Loch, Henry.
Dirk: Genau so war “Ein leichtes Schwert!” Kinderliedplatte.
Oliver: Meine Platte läuft langsamer. Jetzt weiß ich, was ihr meint.
Ingo: Ja, ist halt so ein Lied. Würde mir nicht fehlen. Wäre ein schöner Rausschmeißer.
Dirk: Wie kommt man auf diese Idee? Beethoven-Melodie? Okay. Aber “Ein Loch ist im Eimer”?
Ingo: Hat sie schon eine Kinderliederplatte gemacht, also eine offizielle, nicht “Ein leichtes Schwert”?

10. Unverschämtes Glück

Ingo: Fängt schon mal albern an.
Oliver: Wird auch nicht besser.
Christoph: Dean Wareham schreibt in seinem Buch, man packe immer das schlechteste Lied des Albums an vorletzte Stelle. Auch hier scheint das Warehamsche Gesetz zu gelten.
Dirk: Judith kennt das Buch.
Ingo: Balbina!
Christoph: Ist Balbinas diese unerträgliche Trötenstimme? Habe noch nie was von der gehört.
Oliver: ‘Nehmen’ auf ‘kämen’ reimen...
Christoph: “Biste besser vorbereitet” - bin froh, daß ich das nicht bin.
Dirk: Durch “Westworld” sind wir mit Piano-Songs im Saloon verwöhnt, das hier ist schrecklich und dann marschiert auch noch eine New Orleans Brass Band ins Lokal!
Christoph: An eine New-Orleans-Beerdigung habe ich auch denken müssen.
Ingo: Es ist kein “Unverschämtes Glück”, diesen Song hören zu dürfen.

11. So weit gekommen

Christoph: So weit sind wir also gekommen. Puh! Tschuldigung für diesen miesen Wortwitz. Scheint ansteckend zu sein.
Ingo: Auf Volkers Couch.
Oliver: Ich bin stolz auf uns.
Dirk: Nach “Oh Henry” und “Unverschämtes Glück” richtig toll, aber nur im direkten Vergleich. Mittelprächtige Ballade.
Ingo: Nach einigen Tiefpunkten geht es etwas bergauf. Die Arrangements helfen wieder. Gibt es das Album als Instrumental-Version?

Fazit:

Ingo: Licht und Schatten. Zweifellos besser als “Ein leichtes Schwert”. Punktabzug wegen Balbina-Einsatz. Aber dickes Lob für Teitur. Drei bis vier gute bis relativ starke Songs. Aber auch ebenso viele Ausfälle. Ich denke die Horden von Studentinnen im Fankreis werden die tiefgründigen Texte lieben. Anscheinend ist Holofernes nun zumindest zum Teil mit ihrer Helden-Vergangenheit im Reinen. Aber so manche Kinderlied-Einfälle sind wirklich schmerzhaft, also für mich. 

Dirk: Viel besser als “Ein leichtes Schwert” und besser als “Soundso”. Aber nicht so stark wie die drei anderen Alben von Wir sind Helden. Vier richtig starke Lieder, der ein oder andere Ausfall gegen Ende.
Oliver: Es gibt mehr Punkte als zuletzt! Ich sage eine Steigerung von mindestens 100% voraus.

Christoph: Das beste Soloalbum von Judith Holofernes, das ich je gehört habe. Einige der Melodien gefallen mir vor allem wegen der Instrumentierungen wirklich gut. Ingo trifft es auf den Punkt, als Instrumental-Album würde ich es noch mal hören, so blieb das ein einmaliges Oder an die Freude. Bei dem Satz stellen sich mir ein wenig die Nackenhaare auf, kann aber auch noch an den letzten 39 Minuten liegen.

Kommentare:

Volker hat gesagt…


Allein auf der Couch, alle Gäste weg, und ich weiß schon warum ich mir die Diskussion erspart habe ;-).

Gleich vorweg: Christoph hat Pop nicht verstanden, den deutschen schon gar nicht!

01. Sehr schöner Einstieg, und ich muss zustimmen, besser als alles auf dem Schwert-Album, welches selbst ich leider abstrafen musste. Und natürlich gefällt mir gerade die Stimme im Refrain bei Satellitenschrott Unendlichkeit und das leichte Wegbrechen bei Elend. Top.

02. Immer noch besser als alles auf dem Vorgänger, der Einstieg stört mich gar nicht. Ihr müsst lockerer werden. Bläser gefallen mir mit zunehmendem Alter ja auch immer besser, und Kinderchor geht immer.

03. Ach schade, grausam, diese etwas pseudo rockigen Tracks, die man dann doch immer irgendwie gut fand hatten Wir sind Helden besser drauf. Hier nervt es.

04. In den Strophen eindeutig Wir Sind Helden, wobei etwas dünn instrumentiert, hätte für mich noch etwas schmissiger sein können, aber defintiv auf der Haben-Seite.

05. Ja schöne Ballade. der Schlagzeug (?) Sound im Refrain klingt auch wieder etwas dünn. Ist der Ehegatte da nicht beteiligt oder wollte man das so?

06. Auch gut. Ohne zu wissen ob Teitur hier mitkomponiert hat, hier meint man es zumindest zu hören. Schöne Steigerung zum Ende hin. Für mich auch wieder so ein WSH Moment.

07. Ja, schöner kleiner Pophit, wobei der Refrain noch einen Tacken raffinierter sein könnte, aber ich mag einfach ihre Stimme. Also bitte niemand anders singen lassen. Schon beim zweiten Mal Refrain, kriegt man das nicht mehr aus dem Ohr. doch sehr gut.

08. OK, tut zumindest nicht so weh, wie die Charlotte.

09. Da hört ihr anscheinend ein komplett anderes Lied. Super Song. Gerade das "du sagst ich soll mich abgrenzen, Henry, aber womit denn Henry womit" finde ich klasse. Wenn man sich über jede Melodie, die man schon mal anderswo gehört hat echauffieren möchte, kann man das natürlich auch doof finden.

10. Hat was von einem Annett Louisan Song. Nicht dass es das für euch jetzt besser machen würde. Ich höre auch hier Balbina, von der ich einige Songs durchaus mag, nicht wirklich raus. Und hinten raus wird das Lied sogar richtig gut. Besser als das Ende und vor allem die unsägliche Charlotte.

11. Auch hier gefällt das Arrangement. Schöne Ballade, ich mag es eigentlich nicht so sehr wenn man im Refrain dieselbe Zeile ständig wiederholt, aber wenn dann muss am Ende wenigsten noch so ein kleiner Break kommen, wie hier mit "was wert". Außerdem bricht auch hier die Stimme so schön weg bei "und das ist doch auch schon mal was.

So auch geschafft, und ich werde es glaube gleich direkt noch mal schaffen. Vinyl wird geordert. Eine Steigerung zum Vorgängeralbum um einige Klassen, was auch nötig war.

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

zu 5: Pola Roy: Percussions, Klavierpedal und auch Produzent (alle Lieder bis auf "Oh Henry") - wollte man also so.

zu 6: Teitur hat bis auf "Das Ende" und "Oh Henry" alle Lieder mit komponiert.

Ingo hat gesagt…

7 Punkte, auch aus Helden-Sympathie.

Olly Golightly hat gesagt…

4,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Selten lagen "Wunderschön" und "Zumfremdschämen" so eng beieinander. 6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Ist bei mir sogar noch auf 8,5 gestiegen