Texas - Jump On Board



















Was sind die erfolgreichsten Bands aus Schottland? Franz Ferdinand? Mogwai? Belle & Sebastian? CHVRCHES? Biffy Clyro? Travis? The Jesus And Mary Chain?
Nein, vermutlich streiten sich Simple Minds und Texas um diesen Titel. 
Die Band um Sharleen Spiteri existiert seit 1986, kann auf 13 Top Ten-Singles, 3 Nummer Eins- und 8 Top Ten-Alben im Vereinigten Königreich vorweisen und hat über 40 Millionen Tonträger verkauft. 

Auch deren neuntes Album, „Jump On Board“, kann nun Platz 6 im UK und Platz 1 in Frankreich für sich verbuchen. Unaufgeregtem Radio-Pop sei Dank! Diesen kombinieren Spiteri und ihr kompositorischer Partner Johnny McElhone wie gewohnt mit Soul- („Sending A message“), 60er Girlpop- („Great Romances“) und Disco-Klängen („Let’s Work It Out“), lassen die Streicher mal groß aufspielen („For Everything“) oder flirten mit Gitarren-Rock und Parallelen zu Blondie („Tell That Girl“). Auch wenn kein unwiderstehlicher Hit wie „Summer Son“ oder „Say What You Want“ anfällt, kommt „Jump On Board“ ohne Skip-Kandidaten aus (auch wenn es gegen Ende etwas abflacht) und dürften „Can’t Control“, „For Everything“, „Tell That Girl“ und „Great Romances“ auf der nächsten Best of-Zusammenstellung nicht negativ auffallen und hier als Anspieltipps dienen.




Der Opener „Let’s Work It Out“ hat einen ultralässigen Disco-Soul-Pop-Groove, groaßartig  zwischen Überschwang und Melancholie ausbalanciert, und das anschließende „Can’t Control“ ist ein hypnotischer Indie-Electro-Pop-Track, der von Spiteris immer noch verführerischer Stimme getragen wird. Für die innige Gospel-Soul-Ballade „For Everything“ öffnet sich schlicht der Himmel, während „It Was Up To You“ in einer geschmeidigen Atmosphäre vor sich her träumt.Die bekannte Texas-Euphorie erreicht die Band schließlich mit „Tell That Girl“. Einer dieser unnachahmlichen Repeat-Tastensongs, die durch ihre Hooks sofort mitreißen und süchtig machen. Überaus gelungen auch die Verneigung vor dem Sixties-Girl-Pop in „Great Romances“ und das elegante und unaufgeregte „Won’t Let You Down“. Und die weiteren Titel, der Pop-Noir bei „Sending A Message“, der spielerisch anmutende, funky Disco-Pop von „Midnight“ sowie das sphärische „Round The World“ betten sich ebenfalls  perfekt in das vorgegebene Ambiente ein. Mit Jump On Board ist Texas ein echter Überraschungscoup gelungen. (Sounds and Books)




Texas machen auch 2017 immer noch ordentliche, organische Pop-Musik und haben auch einen Weg gefunden, sich songwriterisch zu arrangieren: Anstatt wie früher (und oft vergeblich) nach dem überlebensgroßen Refrain zu suchen, legte man alle Songs grundsätzlich melodisch an - natürlich ohne auf mächtige, tanzbare Grooves zu verzichten. Das führt zwar einerseits dazu, dass vieles ähnlich klingt - aber andererseits gibt es auch keinen wirklichen Leerlauf. Insgesamt ist das betont lebensbejahende "Jump On Board" somit zu einer Art gelungener Party-Scheibe geworden. Kudos - denn das hätte man alles sehr viel langweiliger hinbekommen können.(Gästeliste)


Texas in Deutschland:
01.11.17 Berlin, Huxleys Neue Welt
03.11.17 Frankfurt, Batschkapp


Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6 Punkte

Dirk hat gesagt…

Ein unaufdringliches Pop-Album. Kein Song ist so gut wie "Summer Son". 6 Punkte