Hello Piedpiper - The Raucous Tide



















„Folk & Country“. Als ich die Promo-CD bei iTunes einlesen wollte, wurde als Stilrichtung dieser Genrevorschlag unterbreitet. Nachdem sich meine Schockstarre, vor allem ob des zweiten Begriffs, gelöst hatte, löschte ich diesen Vorschlag, um selbst ein Genre festzulegen, nachdem ich das zweite Album von Hello Piedpiper gehört hatte.

Birdsongs = Warsounds“, das Debütalbum von Fabio Bacchet war 2012 erschienen und seitdem hatte der Kölner über 200 Konzerte in ganz Europa gespielt, aber zwischendurch ganz vergessen ein neues Album aufzunehmen. Als 2015 Guido Sprenger (Gitarre, Bass, Piano) und Lukas Hoffmann (Schlagzeug, Percussion) das Lineup von Hello Piedpiper verstärkten, änderte sich auch der Livesound entscheidend und führte letztendlich zu „The Raucous Tide“ mit einem Mehr an allem: vielschichtige Sounds, groovende Rhythmen, mehrstimmiger Chorgesang (u.a. von Stefan Honig oder Thijs Kuijken von I Am Oak) sowie ausladende Songstrukturen und Arrangements, die gelegentlich Trompete, Flügelhorn oder Cello erklingen lassen. Der beiliegende Promo-Text fasst den neuen Hello Piedpiper-Sound treffend zusammen: „ein bisschen wie Simon & Garfunkel, wahlweise von Midlake oder Ennio Morricone instrumentiert“

Verdient „The Raucous Tide“ das eingangs erwähnte Label? Folk? Ja, auf jeden Fall. Country? Gelegentlich. Bei „Raging Fire“ wehte ein wenig Wüstensand ins Wohnzimmer und „The Fear“ ließ doch tatsächlich mehrere Tumbleweeds folgen. Das Album wurde folglich von mir bei iTunes mit dem Label "Folk & ein klein wenig Country" versehen. 

„The Raucous Tide“ wird heute über K&F Records veröffentlicht und Fabio Bacchet sucht via Startnext noch Unterstützer (auch wenn das Fundingziel in dem Moment, in dem ich dies schreibe, erreicht wurde), um die gebuchte Studiozeit und das professionelle Mixen und Mastern finanzieren zu können. Und dann stehen sicherlich wieder viele, viele Konzerte für Hello Piedpiper an - dies sind die ersten Termine:

14.04. Cafe Galao, Stuttgart*
15.04. Raststätte, Aachen*
20.04. E-Werk, Erlangen*
21.04. Treppenhaus, Rorschach (Schweiz)*
23.04. Artheater, Köln*
24.04. Prinzenbar, Hamburg*
25.04. Privatclub, Berlin*
26.04. Scheune, Dresden*
27.04. Kleine Freiheit, Osnabrück**
28.04. Kulturbrücken Jungbusch, Mannheim*
29.04. Walhalla Spiegelsaal, Wiesbaden*
30.04. Pension Schmidt, Münster*

*mit Support Honig (solo)
**GHVC Songwriter Abend mit Spaceman Spiff & Patrick Richard




Für den Nachfolger »The Raucous Tide« versucht sich der Kölner mit zwei neuen Bandmitgliedern nun an mehr Klangfülle. Leider lässt diese Entscheidung seine Stimme aber zu oft in der Musik untergehen. Mit E-Gitarren, leichten Country-Anleihen und fast schon heulenden Backing-Vocals von Folk-Kollegen wie Stefan Honig und I-Am-Oak-Sänger Thijs Kuijken verliert der Sänger den Fokus auf seine Stimme und lässt die musikalische Spannungskurve, die durch das Album leitet, schleifen. Textlich spannt Bacchet kontrastierende Bögen zwischen den Songs auf: Während der Titelsong »The Raucous Tide« von der Geburt seines Sohnes handelt, verarbeitet der Songwriter auf »Light Wood« den Tod eines Familienmitglieds oder setzt in »Lampedusa« und »Ask For Them« auf politische Erzählungen. 
Natürlich erfinden Hello Piedpiper den Folk damit nicht neu, selbst wenn das wirklich ihr Ziel gewesen wäre. Stattdessen gelingt dem Trio trotz der hörbaren klanglichen Unschlüssigkeit ein Album, das Vielseitigkeit beweist und die Wichtigkeit des Geschichten-Erzählens im Folk betont.(intro)


Mehr Mitspieler kommt dabei mal wieder gleich mit großerem Sound, denn die ohnehin schon zuvor durch Loops und Hall sehr dichte Atmosphäre, findet hier ein neues Extrem, schichtet schier cinematographische Flächen aufeinander, durchdrungen von feingliedrigen Gitarrenpicks, Chören und gefühlt einer großen Schippe Ennio Morricone Wüstensand. (bedroomdisco)





1 Kommentar:

Dirk hat gesagt…

Für meinen Geschmack zu viel Americana & Morricone. 6 Punkte

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