Blondie - Pollinator




















Dass es „Parallel Lines“ nicht in unser Sammelalbum geschafft hat, lag nicht an mir. Beschwerden sind an die anderen Abstimmberechtigten zu richten.
Gestern konnten wir Parallelen zwischen „Jump On Board“, dem neuen Album von Texas, und Blondie ziehen, heute widmen wir uns „Pollinator“ dem elften Studioalbum von Debbie Harry & Kollegen. 

Auch diese bedienen sich für die ersten drei Titeln bei ihrer eigenen Vergangenheit und zitieren sich fleißig selbst: so kommen einem recht schnell „Hanging On The Telephone“ und „Denis“ in den Sinn und „Long Time“ ist definitiv ein entfernter Verwandter von „Heart Of Glass“. Schlimm wird es leider beim anschließenden „Fun", der ersten Fremdkomposition, die ausgerechnet als erste Single ausgewählt wurde: Modern Talking im Disco-Sound. „You’re My Heart, You’re My Soul“. Und so wird die Textzeile „You’re My Fun, When I’m Down“ doch anschließend tatsächlich vom Falsettecho zurückgeworfen. Ganz fürchterlich. 
Die drei folgenden Lieder tun nicht weh, aber „Too Much“ ist für mich ein weiterer Fehlschlag, „When I Gave Up On You“ kommt leider nicht ohne Auttune aus und bei den Bläser-Einsätzen und Sprechgesang-Einlagen von „Love Level“ versuche ich Chumbawamba heraus zu hören. Manchmal gelingt dies. Gut, dass zum Schluss mit dem epischen „Fragments“ noch ein ungewöhnliches Highlight von „Pollinator“ wartet. 

Mitglieder von Blondie haben nur knapp die Hälfte der 11 neuen Songs (mit-)komponiert, ansonsten halfen u.a. Dev Hynes (Blood Orange, Lightspeed Champion) („Long Time“) aus oder steuerten Johnny Marr („My Monster“) oder Nick Valensi (The Strokes) und Sia Furler („Best Day Ever“) ganze Songs bei. Als Gastsängerinnen hört man u.a. Joan Jett („Doom Or Destiny“) und Laurie Anderson bei „Tonight“, dem Hidden Track der CD Version, der einerseits ein schönes "Tommy"/The Who-Zitat beinhaltet und andererseits gut einen der Ausfälle hätte ersetzen können.

Metacritic sieht in „Pollinator“ (72/100 Punkten) das beste Album von Blondie in den 2000er Jahren: „The Curse Of Blondie“ (63/100; 2004), „Panic Of Girls“ (57/100; 2011). Die deutschen Kritiker gehen weniger Milde mit der nun 71 Jahre alten Debbie Harry um:

Die Vorabsingle „Fun“, in der Harry aber auch schon davor warnt, dass zu viel Spaß unverträglich sein könnte, entwickelt zwar noch eine gewisse Ahnung davon, wie man den New-Wave-Ansatz in die Jetztzeit überführen könnte. Der Rest des Albums aber schleppt sich trotz aller Studio-Mätzchen, funky Beats oder schicker Bläser müde dahin. Dabei erinnern einzelne Songs durchaus an die großen alten Blondie-Hits, aber über allem scheint ein müder Grauschleier zu liegen, den wegzuwaschen Harry erst gar nicht versucht hat. Man wird eben alt.(musikexpress)




Schmissig kommt dagegen der rockige Opener "Doom or destiny" daher, der in Kollaboration mit Joan Jett entstand und durch seinen gefauchten Refrain angenehm an das Frühwerk der Band sowie Hole erinnert. "Already naked" beschwört dagegen die frühen, guten Killers und geht als gelungene Pophymne durch. Auch "Gravity" bewegt sich dank schneller Drums und verzerrter Stimme weg vom Weichspülprogramm zu tanzbarem Indierock. Das darauffolgende "When I gave up on you" könnte dagegen auch von Miley Cyrus sein, das aufdringlich-schlumpfige Autotune kratzt unangenehm am Trommelfell, einzig der entspannte Fleetwood-Mac-Gedächtnis-Beat rettet den Gesamteindruck ein wenig. Erst der Schlussong "Fragments" stimmt mit seiner Rockoper-Attitüde wieder halbwegs versöhnlich.(Plattentests)




Pop, Punk und Disco auf ein und dieselbe Tanzfläche, in ein und denselben Song zu bringen, das kann in dieser Form nur die legendäre Band um Debbie Harry; seit mehr als 40 Jahren macht sie nichts anderes. Viele der neuen Songs erinnern durch melodische Zitate an alte Zeiten, an „Hanging On The Tele­phone“ und „Heart Of Glass“. Debbie Harry nennt die Zusammenarbeit für „Pollinator“ ein „Recycling-Jubelfest“. Alter Wein in neuen Schläuchen ­also – was nicht heißen soll, dass dieser Wein nicht mehr schmeckt. Früher aber hatte er eine berauschendere Wirkung.(Rolling Stone)



Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Bei einigen Liedern möchte man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (oder fest auf die Ohren pressen). 5,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Ja, die Band braucht man eigentlich nicht mehr. 5,5 Punkte

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