Lost Horizons - Ojalá
























Mit ihren verträumten und melancholischen Klängen beeinflussten die Cocteau Twins einige Bands, die im Rahmen des Shoegaze-Revivals wiederbelebt wurden. Nach dem Ende der Band war Elizabeth Fraser als Gastsängerin gefragt. Massive Attacks Hit "Teardrop" ist der wohl größte Hit, auf dem ihre Stimme zu hören ist. Die anderen beiden Überbleibsel der Band in Form von Robin Guthrie und Simon Raymonde gründeten 1997 das Label Bella Union. Seit 2000 führt es Raymonde alleine. Bella Union war und ist die Heimat einiger toller Künstler, darunter die Fleet Foxes, John Grant und The Low Anthem. 

Musikalisch wirkte Raymonde somit 20 Jahre im Hintergrund (bis auf das Snowbird-Album "Moon" im Jahr 2014). 2015 gründete er mit dem Drummer Richie Thomas (der auch mal bei The Jesus And Mary Chain trommelte) Lost Horizons. In einer viertägigen Studiosession mit Raymonde am Klavier und Thomas am Schlagzeug schufen sie die Basis für deren Debüt "Ojalá", welches nun veröffentlicht.

Musikalisch bietet "Ojalá" auf den ersten Blick wenige Überraschungen: Die 15 Songs basieren auf melancholischem Dreampop, Indie, Ambient-Klängen und an die Cocteau Twins wird man auch stellenweise erinnert. Doch all das bietet auch nur die Bühne für die stattliche Anzahl von Sängerinnen und Sängern, die Raymonde dank seines Netzwerks und Labels rekrutieren konnte. Zu hören sind nicht weniger als zehn Stimmen, dabei u. a. Marissa Nadler, Tim Smith (ehemals Midlake), Cameron Neal (Horse Thief) und im Background sogar Sharon Van Etten. Einige dieser Sänger und Sängerinnen steuern zu dem Album eine gehörige Portion "Soul" bei und / oder sie prägen die Titel merklich. Auffällig ist der Opener "Bones", auf dem die Sängerin Beth Cannon ihr Repertoire zwischen Tori Amos uns Bonnie Tyler aufbietet. Tim Smith' Stimme in Kombination mit der Komposition lässt "She led me away" als Midlake-Song durchgehen. 

Mein absoluter Favorit auf "Ojalá" ist "This tide" mit Phil McDonnells am Mikrophon. Der Totel haat es auf meine Liste der Songs 2017 geschafft. Positiv fielen mir außerdem "Asphyxia", "Reckless", "She led me away" und "Give your heart away" auf. Darüber hinaus muss man Dreampop schon gerne mögen, um "Ojalá" über Albumlänge genießen zu können. Vor lauter Atmosphäre hat man während der Produktion vielleicht doch ab und zu den Horizont aus den Augen verloren. 

Intro gefallen die verträumten Titel:
Es wird deutlich, dass »Ojalá« die Herzensangelegenheit eines Labelbetreibers ist – eine Compilation für die dunkleren Tage des Jahres. Die musikalische Eigenständigkeit und atmosphärische Tiefe des legendären Projekts This Mortal Coil, an dem die ehemaligen 4AD-Labelmates Raymonde und Thomas auch mitwirkten, erreicht es nicht. Anhören sollte man es sich aber unbedingt trotzdem, denn allein die verträumten Songs mit Marissa Nadler und Anna Peris (The Innocence Mission) sind die Anschaffung wert.
musicOMH:
Less ethereal and opaque than This Mortal Coil, but more visceral, emotive and direct. Ojalá is laced with a cohesive musicianship built around Thomas’s palette of jazzy, sparse and spacious dub-reggae percussion, and complemented by Raymonde’s more sympathetic treatments, fleshed out by strings, angelic harmonics and clipped and shimmering guitar/piano chords. This is a diverse collection of quality melancholia by two intuitive veterans with nothing to prove except their ability to create music to invest your soul into.
"Score the sky":


"I saw the days go by":


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